Schwarz-weiß, texturierte charcoal-ähnliche Illustration (Hintergrundbild).

Schön, dass du da bist!

Bist du schwanger oder möchtest einer werdenden Mama etwas Besonderes schenken? Dann möchte ich dir dieses Notizbuch namens Wochenbettliebe ans Herz legen. Mit ehrlichen, lustigen und bewegenden Anekdoten schenkt es jeder Mama in der Babybubble das Gefühl: Ich bin nicht allein. Ein liebevoller Begleiter durch eine intensive Zeit, der dir Raum für deine Gefühle schenkt und dich in deinem intuitiven Mamasein unterstützt.

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Neugierig geworden?

Lies selbst hinein und überzeuge dich. Eine Leseprobe gibt dir einen ersten Eindruck von Wochenbettliebe – ehrlich, warm und von Herzen geschrieben.

Musik zum Lesen. Fühlen. Schreiben.

Musik, die dich im Wochenbett durch emotionale Momente begleitet.

Warum Wochenbettliebe?

Erinnerungen bewahren

Bewahre deine Erinnerungen, schriftlich und mit Fotos, aus einer Zeit, in der du so offen, sensibel und voller neuer Gefühle bist. Alles darf fließen, alles darf Platz haben.

Selbstfürsorge & Inspiration

Sanfte Wocheninspirationen, die dich liebevoll begleiten und dir kleine, achtsame Momente im Alltag schenken. Ohne Druck: Alles darf, nichts muss.

Verbundenheit & Schreibimpulse

Ehrliche, lustige und berührende Anekdoten aus der Wochenbettzeit, die dir zeigen: Du bist nicht allein. Sie schenken dir Verbundenheit und können dich zum Schreiben inspirieren.

Mama-Intuition

Kein Ratgeber, keine Still- oder Schlafprotokolle. Dieses Notizbuch richtet den Fokus bewusst nur auf dich, deine Emotionen, deine neue Rolle als Mama und deine neue Superkraft: deine Intuition.

Über mich

Hi, mein Name ist Viola und ich bin Mama von zwei wundervollen Kindern sowie zwei Sternenkindern (Zwillingspaar). Meine eigenen Erfahrungen im Wochenbett – von traumatisch bis bewusst achtsam – haben mich geprägt und letztlich inspiriert, dieses Notizbuch für dich zu gestalten.

Meine Geschichte

Als ich zum ersten Mal schwanger war, fragte mich eine Freundin: „Hast du eine Hebamme fürs Wochenbett?" Ich hatte zwar eine Nachsorge-Hebamme, aber vom Wochenbett selbst hatte ich keine Vorstellung. Ich wusste nicht, wie sehr man plötzlich gebraucht wird, während man selbst erst wieder zusammenfindet. Diese unendliche Müdigkeit durch die vielen schlaflosen Nächte, das körperliche und mentale Dahinfließen. Ich hatte einfach keine Ahnung und habe der Wochenbettzeit dementsprechend keinerlei Bedeutung zugeschrieben.

Mein erstes Wochenbett folgte zudem auf eine für mich traumatische Geburt, und ich konnte die erste Zeit mit meinem Baby nicht so genießen, wie ich es mir gewünscht hätte. Das erste Babyjahr mit meiner Tochter war für mich unglaublich herausfordernd und tief bewegend. So vieles habe ich hinterfragt, so viel Altes fühlte sich plötzlich nicht mehr stimmig an. Und so kam es, dass diese Zeit auch der Beginn meines Glaubenswegs war. Der Glaube an Gott und an Jesus gewann in meinem Leben immer mehr Bedeutung, bis ich mich schließlich im Jahr 2024 taufen ließ. Ungelogen: Direkt nach dieser Taufe bin ich mit unserem heutigen Sohn schwanger geworden. Gottes Geschenk, für das ich sehr dankbar bin. Nach meiner letzten Geburt, die eine geplante Hausgeburt war, habe ich bewusst innegehalten, viel geschrieben und Worte genutzt, um mich selbst nicht zu verlieren und die besondere Zeit mit meinem Baby intensiv zu erleben. Genau diese Erfahrung möchte ich mit Wochenbettliebe weitergeben.

Dieses Notizbuch ist ein sanfter Begleiter für deine Gedanken, Gefühle und Erlebnisse. Mein Wunsch ist, dass Wochenbettliebe dir hilft, dir jeden Tag ein paar Minuten für dich zu nehmen: zum Lesen, Schreiben oder einfach zum Innehalten. Vor allem aber soll es dir das beruhigende Gefühl schenken, dass du mit all deinen Gedanken und Emotionen nicht allein bist – denn das bist du ganz sicher nicht!

Meine Mission

Immer wieder, wenn ich mit anderen Mamas gesprochen habe – mit Freundinnen, mit Frauen aus Kursen oder einfach im Alltag – sind die gleichen Ängste, Sorgen, aber auch ähnliche witzige Momente aufgetaucht. Und jedes Mal spürte ich diese Erleichterung, wenn wir all das miteinander teilen durften.

Genau das wünsche ich mir: Dass wir Mamas wieder mehr ins intuitive Fühlen kommen, was ich als große Stärke von uns sehe! Dass wir unsere Gedanken und Emotionen bewusst wahrnehmen und darüber offen sprechen: ehrlich, ungefiltert und ohne Scham. Denn wenn wir das tun, stärken wir uns gegenseitig, fühlen uns verbunden und sind dabei noch tolle Vorbilder für unsere Kinder!

Wochenbettliebe soll ein kleiner, liebevoller Anfang dafür sein. Ein Raum, in dem du deine Gefühle festhalten, dich selbst spüren und dich mit all dem, was gerade in dir ist, ein Stückchen leichter fühlen kannst.

Shop

In diesem Shop findest du liebevoll ausgewählte Produkte für werdende Mamas und Mamas im ersten Jahr mit ihrem Baby.

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Kontakt

Hast du Fragen oder möchtest du mich erreichen? Dann kontaktiere mich gerne. Insbesondere wenn du über ein Herzensthema schreiben möchtest, freue ich mich, von dir zu hören!

E-Mail

kontakt@wochenbettliebe.de

Blog

In diesem Blog findest du regelmäßig neue Beiträge rund um Schwangerschaft, Geburt – auch über die kleine Geburt und Hausgeburt – sowie das Wochenbett und die Zeit danach. Geschrieben von Hebammen, Doulas und Müttern, die ihre Erfahrungen, ihr Wissen und ihr Herz mit dir teilen. Für all die Fragen, Gefühle und Momente, die diesen Weg so einzigartig machen.

Das Mutter-Tier 15.01.2026

Das Mutter-Tier

Vom Mamasein | Von Viola

Geburtsbericht KH 16.02.2026

What the f***?

Geburtsbericht KH | Von Viola

Kleine Geburt – Teil 1 15.03.2026

Manches vergisst man nie...

Kleine Geburt Teil 1 | Von Viola

Kleine Geburt – Teil 2 16.04.2026

Gott, kann ich dir vertrauen?

Kleine Geburt Teil 2 | Von Viola

Geburtsbericht KH

What the f***?

Geburtsbericht KH | Von Viola

Ich starre in den tristen Spiegel des Badezimmerschrankes, der sich im typischen Klinikstil nahtlos an die kalten Fliesen anschließt. Ich schaue hinein und versuche, mich zu sehen. Mich. Viola. Die, von der alle immer sagen, sie sei so fröhlich, so positiv, voller Lebensfreude.

Und nun bin ich auch noch endlich Mama geworden. Letzte Nacht habe ich dich geboren. Mit 37 Jahren. Ich sollte vor Glücksgefühlen überschäumen.

Doch je länger ich mir in die Augen sehe, desto trauriger werde ich. Ich erkenne mich nicht wieder. Es fühlt sich so an, als wäre bei dieser Geburt etwas von mir gestorben. Dabei sagen sie immer, bei einer Geburt würde nicht nur das Baby geboren, sondern auch die Mama. Aber wieso fühle ich mich dann nicht wie neu geboren?

„What the fuck… was war das denn bitte für ein Trip?", frage ich mich, gar nicht mal so leise, während ich immer noch in den Spiegel starre.

Ich bin allein im Doppelzimmer, noch ohne Zimmernachbarin. Währenddessen liegt mein Baby in ihrem kleinen Klinikbettchen mit Rollen. Damit ich dich überall hinschieben kann.

Ich muss pinkeln.

Dabei benutze ich die zuvor gekaufte Po Dusche und bin dankbar, dass ich mich wenigstens ein bisschen vorbereitet habe. Mein Urin brennt, als würde ich mich in einen Brennnesselbusch setzen. Der lauwarme Wasserstrahl aus diesem Plastikteil lindert den Schmerz zumindest ein wenig. Zum Abschluss kommt eine dieser überdimensionalen Wochenbettbinden in mein Netzhöschen, welches all das irgendwie zusammenhalten soll. All das, was sich gerade so kaputt anfühlt.

„Ob ich jemals wieder heil werde?", frage ich mich.

Dann höre ich dich quäken.

Ich wasche mir schnell die Hände, gehe zu dir und hebe dich aus deinem Bettchen.

Du bist da. Und du bist wunderschön. Mehr als das: Du bist perfekt. Und Gott sei Dank bist du gesund. Und in diesem Moment ist das alles, was zählt.

Mehr schlecht als recht versuchen wir einen erneuten Stillversuch. Ich bin so unsicher, und du bist so zart, machst deinen Mund auf wie ein kleiner Spatz. Die Hebammen sind meist nett, aber oft sehr eingespannt. Es ist schlicht weg viel zu wenig Zeit für echte Begleitung. Stattdessen höre ich immer wieder die gleichen Sätze:

„Das Baby muss die ganze Brust in den Mund nehmen." Oder: „Es darf nicht weh tun, sonst machen Sie etwas falsch."

Aber es tut weh. Also mache ich wohl alles falsch, denke ich. Und trotzdem beiße ich mich durch, damit du bekommst, was du brauchst.

Es ist Corona-Zeit. Dein Papa darf uns zwei Stunden am Tag besuchen und war zudem nur die letzten zwei Stunden der Geburt dabei. Diese Regel habe ich wirklich bis heute nicht verstanden. Als würde uns genau in diesem Moment etwas weggenommen werden, das eigentlich selbstverständlich UNSER DING sein sollte.

Aber von vorne.

Ich war zwei Tage über Termin und musste zur Untersuchung ins Krankenhaus. Weil deine Herztöne auffällig waren – meine spätere Hausgeburts-Hebamme meinte beim Durchlesen des Geburtsberichts, es hätte auch einfach ein schlafendes Baby sein können – behielt man mich dort. Das Aufklärungsgespräch über verschiedene Einleitungsmöglichkeiten ging völlig an mir vorbei. Einleiten? Wieso? Das fühlte sich alles so falsch an.

Auf dem Stationszimmer habe ich dann Dr. Google dazu befragt. Das, was ich las, hat mir kein gutes Gefühl gegeben. Zum Glück war es dann doch nicht so dringend bei mir und ich sollte erstmal nur alle drei Stunden zum CTG.

Glück? Oder war der Krankenhausaufenthalt vielleicht gar nicht zwingend notwendig? Diese Frage kam im Nachgang immer wieder bei mir auf. Eine klare Antwort werde ich darauf wohl nie bekommen.

Gegen Mitternacht haben dann meine Wehen von selbst eingesetzt. Ich schätze, weil mein Unterbewusstsein die Einleitung umgehen wollte. Dabei sage ich bewusst „Wehen" und nicht Wellen, denn sie kamen mit voller Wucht. Direkt stark. Direkt alle vier bis fünf Minuten. Es tat unbeschreiblich weh.

Ich weiß noch, wie ich mit dem roten Notknopf nach der Schwester gerufen und mich gleichzeitig gefragt habe, ob ich übertreibe. Ich bin kein Mensch, der gerne „umsonst" Hilfe holt. Aber ich konnte meine Beine vor Zittern nicht mehr bewegen und so fuhr sie mich im Rollstuhl Richtung Kreißsaal.

Dort fühlte ich mich in vielen Momenten ziemlich allein mit dem, was da gerade passierte. Ich hatte starke Schmerzen, war komplett überfordert und konnte mich überhaupt nicht auf dieses Erlebnis „Geburt" einlassen. Schon während der Schwangerschaft hatte ich mir fest vorgenommen, so natürlich wie möglich zu gebären und wollte definitiv keine PDA.

Ich bekam intravenös Paracetamol, was kurz half. Doch ich musste mich auch regelmäßig übergeben, was unglaublich viel Kraft gekostet hat. Darauf hatte mich niemand vorbereitet. Also wie ich da so in meinen Schmerzen und Brechanfällen lag, hatte ich das Gefühl von totalem Alleinsein und komplettem Ausgeliefertsein. Ich habe alles verflucht: meinen Mann („Ich will definitiv keine Kinder mehr!"), meine Hebamme aus dem Geburtsvorbereitungskurs („Wie soll man diese Schmerzen bitte wegatmen?!") – einfach alles und jeden.

Nach etwa vier Stunden habe ich es nicht mehr ausgehalten und die Hebamme um eine PDA gebeten oder besser gesagt: angefleht. Sie hat den Muttermund untersucht und meinte dann ganz erstaunt: „Oh, dafür ist es jetzt zu spät. Sie sind schon sehr weit. Sie können Ihren Mann anrufen."

Anrufen.

Was für ein absurder Moment. Ich konnte gerade noch seinen Kontakt anwählen, sprechen ging schon nicht mehr. Ich habe ihr das Telefon in die Hand gedrückt und sie reden hören.

Als mein Mann kam, fand er mich schreiend im Kreißsaal vor und versuchte irgendwie, mich zu unterstützen. Jegliche Berührung war mir aber zu viel, also blieb er bei mir und hat versucht, mich durchs Atmen zu begleiten.

Kurz darauf war Schichtwechsel und es kam eine andere Hebamme, die besser zu mir passte. Doch wegen grünem Fruchtwasser wurde eine Oberärztin dazu gerufen. Es ging plötzlich alles sehr schnell und dann hörte ich von der Hebamme, die da unten bei mir zu Gange war: „Ich sehe Haare!" In diesem Moment wusste ich: Du bist gleich da. Endlich. Doch meine Art zu pressen schien irgendwie falsch zu sein, was mir auch so kommuniziert wurde (wie krass, oder?!). Woraufhin es leicht hektisch in dem Raum wurde. Die Oberärztin wandte plötzlich, ohne mich zu fragen (!), den Kristeller-Handgriff an und grub sich mit ihrem Ellenbogen in meinen Bauch ein. Es war sowas von schmerzhaft, aber du warst da. Ich war am Ende und gleichzeitig einfach nur erleichtert, dass es vorbei war. Und ich war so froh, dass dein Papa da war.

Die zwei Tage und Nächte im Krankenhaus danach fühlten sich immer noch wie in einer anderen Welt an. Ich konnte kaum begreifen, was da passiert war. Dich in den Händen zu halten war wunderschön und zugleich hat es mich maximal überfordert. „Ich? Die komplette Verantwortung für dich kleines, hilfloses Wesen?" Ich hatte solche Angst, etwas falsch zu machen und dein Papa hat mir einfach sehr gefehlt.

Noch wochenlang hatte ich Schmerzen im Intimbereich. Alles war dick und geschwollen. Unser Stillstart war holprig. Meine Brustwarzen waren wund und blutig, das Stillen tat wahnsinnig weh und ich konnte mich in dieser Zeit kaum an dir erfreuen, weil ich so im Schmerz war.

Ich habe täglich geweint und mich wie die schlechteste Mutter der Welt gefühlt. Du hast zu viel abgenommen und wir mussten dich zufüttern. „Ich kann mein Baby nicht ernähren", schrie es immer wieder in meinen Gedanken laut auf. Zum Glück war mein Mann in dieser Phase so stark und hat sich quasi um alles gekümmert, auch sehr viel um dich. Nach etwa drei Wochen in meinem Delirium hatte aber auch er dann genug und mich mit diesen Worten aus meiner Misere rausgeholt: „Vio, wir brauchen dich hier! Dein Baby braucht dich! Ich brauche dich!" Ich erinnere mich noch genau, dass das so viel mit mir gemacht hat. Denn ich wusste, er hatte Recht und ich musste mich zusammenreißen. Für meine kleine Familie. Danach ging es langsam bergauf, wenn manchmal auch nur in Mini-Schritten.

Heute weiß ich: Das hatte nichts mit einem Versagen meinerseits zu tun.

Unser Start war einfach schwer.

Und erst Jahre später habe ich verstanden, dass diese Geburt für mich traumatisch war und dass so vieles von dem, was danach kam, damit zusammenhing.

Leider glaube ich, dass es vielen Müttern und Familien ähnlich geht. Vielleicht nicht genauso, aber ähnlich auf ihre eigene Weise.

Noch ein Grund mehr, darüber zu reden, zu schreiben und mehr Bewusstsein für die Themen Geburt und Wochenbett zu schaffen.

Und gleichzeitig wünsche ich mir durch das Teilen meiner Geschichte, dass Mamas und werdende Mamas wieder mehr zu ihrer Kraft und Selbstbestimmtheit finden. Dass sie sich vertrauen, dass sie spüren, dass ihre Intuition einen Platz hat und dass sie mit ihrem Baby bereits im Bauch in Verbindung gehen. Dass sie den Mut haben, nachzufragen. Warum wird etwas gemacht? Welche Alternativen gibt es? Muss das jetzt wirklich sein? Denn das alles hat mir leider bei meiner ersten Schwangerschaft und Geburt gefehlt!

Und noch etwas ganz Wichtiges: Du hast ein Recht auf deinen Geburtsbericht. Auch nachträglich. Wenn du verstehen möchtest, was passiert ist, fordere ihn an. Es kann unglaublich heilsam sein, die eigene Geschichte noch einmal zu lesen, einzuordnen und vielleicht sogar mit jemanden aufzuarbeiten.

An dieser Stelle möchte ich klar sagen: Ich will keine Angst vor einer Klinik-Geburt machen und ich bin auch nicht dagegen. Aber ich bin ganz klar dafür, sich mit diesem Thema wirklich auseinanderzusetzen und Frauen dazu zu animieren, selbstbestimmt zu gebären. Gebären ist so ein natürlicher, wundervoller Prozess, den wir als Frauen erleben dürfen. Ja, dürfen! Es ist ein Privileg Mama zu sein und definitiv eine Reise geprägt von Transformation. Warum lassen wir uns das von Ärzten oder irgendjemand anderem absprechen? Warum lassen wir uns so verunsichern?

Für mich war die Krankenhausgeburt rückblickend nicht die richtige Wahl. Aber auch wenn meine erste Erfahrung alles andere als einfach war, habe ich im Nachgang viel daraus mitgenommen und danach einiges bewusst anders gemacht.

Also ja – ich habe noch ein weiteres Kind bekommen. In einer Hausgeburt. Und diese Geburt war ganz anders. Selbstbestimmter. Ruhiger. Sehr anstrengend, aber auf eine Weise auch heilend. Ich freue mich jetzt schon darüber zu schreiben!

Vielen Dank fürs Lesen und ich freue mich, dass du hier bist und bereit bist, hinzuschauen. Auch auf die Aspekte, über die so oft nicht gesprochen wird. Zukünftig wirst du hier immer wieder neue Blogartikel finden. Melde dich gerne zu meinem Newsletter an. So kannst du mitlesen und mitfühlen. Sicherlich können wir noch einiges voneinander lernen!

Kleine Geburt – Teil 1

Manches vergisst man nie…

Kleine Geburt Teil 1 | Von Viola

⚠ Triggerwarnung: Bitte nur lesen, wenn du mental dafür bereit bist.

Wir schreiben einen Dienstagmorgen im November. Auf dem Weg zum Frauenarzt fährt mein Mann durch eine 30er-Zone und wir wären fast geblitzt worden. Aus einem Auto heraus. Nur fast, denn ein Wagen auf der Gegenspur warnt uns rechtzeitig mit einem Fernlichtblinker. Wir sind beide noch verschlafen und freuen uns, dass wir dieses Zeichen überhaupt wahrgenommen haben. Und dann scherzen wir noch darüber, was das doch für ein besch… Job sein muss, um so eine Uhrzeit sich in so einem Auto zu verstecken und Leute zu blitzen.

Es ist kurz nach 7 Uhr als wir im Wartezimmer sitzen. Hinter uns liegt wieder eine schlechte Nacht. Unsere zweijährige Tochter schläft seit fast einer Woche nicht mehr durch. Sie wacht nachts auf. Mal um eins, mal um zwei oder drei und schreit. Sie will aufstehen, klagt über Bauchschmerzen, möchte aber gleichzeitig essen, und sobald wir unten in der Wohnküche sitzen, essen und spielen, ist alles wieder gut.

Sechs Nächte geht das nun schon so. Es zehrt an den Kräften. Und mich überkommen Gedanken, dass mit einem Neugeborenen wieder eine Zeit kommen wird, in der ich wie ein Zombie herumlaufe. Schlafentzug, der mir jede Energie raubt. Aber ja, als Mutter macht man das. Und man schafft es auch. Irgendwie.

Wir sitzen still im Wartezimmer, zusammen mit einer anderen Patientin, die vor mir dran ist. In Gedanken bin ich sowieso eher bei meiner Tochter. Ich frage mich, ob ich nicht doch mal mit ihr zum Kinderarzt gehen sollte.

Aufgeregt wegen des Termins bin ich nicht. Das war beim Ersttrimester-Screening unserer Kleinen noch ganz anders.

Ich frage meinen Mann, ob er nervös ist. Er verneint.

Dann werden wir aufgerufen.

Wir sitzen im Besprechungsraum und warten kurz. Mir fallen die frischen Blumen auf dem sonst eher neutralen Schreibtisch auf. Sie duften und geben dem Raum etwas Lebendiges.

Die Ärztin sehe ich heute erst zum dritten Mal, da wir dieses Jahr umgezogen sind und ich die Praxis gewechselt habe. Sie ist nett. Mehr kann ich bisher nicht sagen.

Wir besprechen kurz, wie es mir geht, was heute gemacht wird und wie es weitergeht. Ich erwähne, dass ich eine Hausgeburt plane und bereits eine Hebamme dafür gefunden habe. Sie notiert es kommentarlos in ihrem PC.

Auf dem Weg zum Ultraschallraum sage ich noch, wie schön ich die echten Blumen finde. „Ja, die machen wir jede Woche neu", antwortet sie. Und mir schießt der Gedanke durch den Kopf, dass das Leben doch sehr vergänglich ist.

Mein Mann setzt sich mit freiem Blick auf den Bildschirm an die Seite, ich nehme auf dem Stuhl für die Untersuchung Platz. Eine Sprechstundenhilfe kommt dazu und schaut in meine Akte.

Wir alle blicken auf den Ultraschallbildschirm.

Und es dauert keine zwei Sekunden, bis ich merke: Etwas ist anders.

Das Bild ist noch unruhig, bewegt sich zu schnell. Aber ich sehe mehr als einen Punkt. Dann höre ich die Ärztin ihre Assistentin fragen: „Haben wir beim letzten Mal etwas Besonderes vermerkt?"

In diesem Moment weiß ich es.

Zwillinge.

Mein Herz beginnt zu rasen.

„Ja, Frau F., das ist jetzt auch für mich unerwartet, aber es sind zwei."

„Oh mein Gott…" Mir schießen Tränen in die Augen und ich schaue voller Glücksgefühle zu meinem Mann, der mich ebenso freudestrahlend anschaut.

Ich blicke zurück auf den Bildschirm und warte auf die nächsten Worte der Ärztin. Doch ich höre nichts. Selbständig starre ich auf das Bild und suche nach dem Herzschlag, den wir vor vier Wochen so schön kräftig gesehen haben.

Aber ich sehe nichts.

Ich sehe einfach nichts.

Nur diesen kleinen bewegungslosen Körper, auf den sie gerade schallt.

Diese Momente sind nur Sekunden und doch fühlt sich alles endlos lang an. Warum sagt sie nichts? Will sie, dass ich es selbst sage? Ist sie selbst zu geschockt, um zu sprechen?

Dann die wenigen Worte, die einen mitten ins Herz treffen, wie ein stundenlang geschliffenes Schwert… Zack, ein Schwung genügt, um alles in Milliarden kleine Teile zu zerfetzen. Es braucht keinen weiteren Hieb. Alle Hoffnung ist mit einem Mal zerstört. „Es gibt keinen Herzschlag."

Ich schaue weg. Starre an die weiße Decke.

Mein Mann fragt mit zitternder Stimme: „Bei beiden nicht?"

„Nein, bei beiden nicht. Es tut mir leid."

Diesen Moment werde ich nie vergessen. Egal, wie viel Zeit vergeht. Vielleicht ist es ein nie vergessen können, aber vielleicht ist es auch nie vergessen wollen, war es doch der letzte Blick, den ich auf die zwei hatte.

Was danach passiert, nehme ich wie durch einen Schleier wahr.

Sie misst die beiden. Schätzt die Woche, in der sie aufgehört haben zu leben.

Die Assistentin notiert. Ich starre weiter an die Decke. Warum sind hier jetzt nicht diese schönen Blumen zu sehen?

Millionen Gedanken schießen mir im Zeitraffer durch den Kopf. Auf einmal macht alles Sinn: Seit dem letzten Arztbesuch vor vier Wochen, als die Schwangerschaft das erste Mal mit einem Embryo festgestellt wurde, habe ich zweimal geträumt, dass ich beim Frauenarzt bin und etwas nicht stimmt. Zweimal, klar, es sind ja auch zwei. Auch hatte ich danach über einige Tage sehr starke Rückenschmerzen und mir ging es gar nicht gut. Sind sie hier gestorben? Danach ging es tatsächlich auch mit der sonst so starken Übelkeit besser. Ja, auf einmal ist alles so klar, nur wollte das mein Bewusstsein wohl nicht wahrhaben… unterbewusst hatte ich es längst verstanden.

Als die Ärztin den Ultraschall beendet, frage ich die Frage, wie ich sie schon mehrmals in den letzten Wochen in Gedanken durchgegangen bin, als ob ich sie für den Ernstfall proben wollte:

„Was bedeutet das jetzt?" höre ich mich fragen.

Sachlich rattert sie die zwei Möglichkeiten runter: Abwarten mit dem natürlichen Abgang oder den operativen Eingriff mittels Ausschabung. Im Affekt frage ich noch, was sie mir empfehlen würde und sie sagt, dass sie uns die Überweisung fertig mache. Ich ziehe mich an, mein Mann nimmt mich in den Arm und auch in seinem sonst so festen Blick sehe ich den Schock. So habe ich ihn tatsächlich noch nie gesehen.

Meine bisher nicht geflossenen Tränen finden nun mehr und mehr ihren Weg und die Sprechstundenhilfe bringt mich in einen freien Nebenraum. Mit der Überweisung wird mir noch eine Nummer für eine Klinik in der Nähe mitgegeben. Alle Blicke, die mich in der Praxis treffen, sehen betroffen aus.

An der Tür streicht mir die Assistentin über die Schulter: „Beim nächsten Mal klappt es bestimmt."

Ich weiß, sie meint es gut, aber ich bin noch nicht beim nächsten Mal. Ich bin hier. Mit meinen Zwillingen im Bauch. Plötzlich habe ich das starke Bedürfnis, nach Hause zu fahren. Zu unserer Tochter.

Als wir ankommen, schläft sie noch. Meine Mutter, die auf sie aufgepasst hat, liegt neben ihr im Bett. Wir wecken sie. Und ich höre mich sagen: „Es waren zwei… aber ohne Herzschlag. Ich habe eine Fehlgeburt."

Meine Mutter beginnt zu weinen. Ich auch. Wir halten uns fest.

Meine Tochter versteht nicht wirklich, was ich da gesagt habe, aber sie nimmt mich in den Arm, als ob sie es doch versteht.

Und mitten in all dem Schmerz ist da plötzlich auch Dankbarkeit. Für dieses wundervolle, einzigartige Wesen. Für meine tolle Familie. Wir halten unsere Hände. Ganz fest und liegen einen Moment einfach nur da.

Später sitze ich allein auf der Couch.

Mit meinen toten Zwillingen im Bauch.

Und weine.

Mit jedem Moment des Begreifens breitet sich der Schmerz weiter aus. Im ganzen Körper. Die Erkenntnis: Wir werden im Juni keine Babys in den Armen halten. Unsere Tochter wird keine große Schwester.

Manches vergisst man nie… egal, wie viel Zeit vergeht.

Teil 2 folgt.

Kleine Geburt – Teil 2

Gott, kann ich dir vertrauen?

Kleine Geburt Teil 2 | Von Viola

⚠ Triggerwarnung: Bitte nur lesen, wenn du mental dafür bereit bist.

Nach einer kleinen gemeinsamen Zeit in unserer Wohnküche weiß keiner so richtig, was zu tun ist, und doch tut irgendwie jeder etwas. Meine Mama frühstückt wie fast jeden Morgen mit unserer Tochter, ich krame etwas hin und her, und mein Mann geht in sein Home-Office-Büro arbeiten.

Da wir für die Spielgruppe zu spät sind und ich auch gar keine Muße habe, sie dorthin zu fahren, bietet meine Mutter an, dass die Kleine bei ihr unten spielen kann. Das nehme ich dankend an, denn ich möchte vor ihr nicht die ganze Zeit traurig sein.

So sitze ich nun allein mit meinen toten Zwillingen im Bauch auf der Couch und weine. Mit jedem Stückchen mehr Realisieren sucht sich der Schmerz seinen Weg und nimmt mich immer mehr ein. Um diesem Schmerz irgendwie zu entfliehen, rufe ich aus purem Aktionismus heraus die Nummer an, die auf dem Post-it an der Überweisung klebt.

Man hört sich meine Geschichte an und kann mir „glücklicherweise" bereits einen OP-Termin für den nächsten Montag anbieten. Heute ist Dienstag. Ich nehme an, noch mit dem komischen Gefühl, dass ich da ja wirklich Glück zu haben scheine. Ich solle zum Aufklärungsgespräch für OP und Anästhesie am Donnerstag kommen, und am Freitag würden die OP-Pläne geschrieben. Dann würde ich die genaue Uhrzeit für Montag erfahren. Die weibliche Stimme an der Leitung erklärt alles sehr sachlich und nüchtern. Es gibt kein Nachfragen, wie es mir denn gerade damit geht. Auf mein Fragen hin, ob man über Nacht bliebe, bekomme ich nochmals die „glückliche" Antwort, dass das heutzutage ambulant stattfindet. Ich Glückspilz.

Ich stehe unter Schock. Anders kann ich mir auch im Nachhinein mein Verhalten nicht erklären. Richtig hat sich das alles nicht angefühlt. Mich in Narkose versetzen zu lassen und beim Aufwachen einen leeren Bauch haben. Euch einfach entfernen, raus schneiden aus meinem Bauch und Leben. Ohne den Prozess zu durchleben. Wie grausam und falsch sich das einfach anhört.

Bis zum Mittag reiße ich mich irgendwie zusammen, koche irgendwas, das man essen kann, und warte nur darauf, meine Tochter zu ihrem Mittagsschlaf hinlegen zu können, damit ich endlich wieder in Ruhe weinen kann.

Mein Mann muss zur gleichen Zeit zu einer Beerdigung. Die Mutter eines Freundes ist plötzlich verstorben. Was für ein trauriger Tag. Doch trotz des späten und sonst so tristen Novembertages scheint heute die Sonne. Immerhin ist es ein freundlicher Tag zum Trauern.

Während meine Tochter also schläft und mein Mann auf der Beerdigung ist, fühle ich mich auf einmal sehr allein. Zu meiner Mutter will ich nicht, da ich sie mit ihren 81 Jahren nicht noch mehr aufregen möchte und sie sowieso schon sehr traurig ist. Sie hatte vor mir auch zwei Fehlgeburten und scheinbar kommt jetzt alles noch einmal hoch. Wie gesagt, es gibt Dinge im Leben, die vergisst man nicht, egal wie viel Zeit vergeht.

Also sitze ich wieder allein auf der Couch, mit meinen toten Zwillingen im Bauch. Ich schreibe ein paar Freundinnen, vor allem denen, die wussten, dass ich an diesem Tag meinen Frauenarztbesuch hatte. Ich erhalte Sprachlosigkeit, gepaart mit Liebe und aufmunternden Worten. Das alles hilft mir für wenige Sekunden, bis ich mich wieder komplett allein fühle.

Mein Mann würde nach der Beerdigung direkt in sein Jahresmitarbeitergespräch müssen – was für ein verrückter Tanz zwischen den Welten. Ich habe riesige Angst vor dem Alleinsein. Also rufe ich eine gute Freundin an, die auch Doula ist. Sie geht nicht ran, und so schreibe ich ihr: „Mh, ich weiß nicht, ob ich es morgen schaffe. Waren heute beim Frauenarzt. Es waren zwei zu sehen… aber leider beide ohne Herztöne. Hatte jetzt irgendwie den Impuls, mit dir zu reden, aber weiß eigentlich auch gar nicht richtig, was ich sagen soll."

Es dauert nur ein paar Minuten, dann ruft sie zurück. Nach wenigen Worten meinerseits, die sich in immer mehr Tränen auflösen, sagt sie, dass sie ein paar Sachen zusammenpacken und vorbeikommen würde. Das nehme ich dankend an. Ich will nicht alleine sein, und Gott hat mich erhört.

Meine Freundin kommen zu lassen ist einfach die beste Entscheidung überhaupt. Sie zeigt mir behutsam auf, dass ich gar nichts sofort entscheiden muss und auch immer noch Anspruch auf eine Hebamme habe. Die ich für die Hausgeburt kontaktiert hatte, kommt gerne am nächsten Tag, und wir besprechen alles, damit ein natürlicher Abgang zu Hause passieren kann. Meine Freundin und ich lesen den erhaltenen „Leitfaden" von meiner Hebamme nochmals durch und besorgen danach alles bei der Drogerie. Wichtig: Bei zu viel Blutverlust oder Anzeichen einer Infektion sollen wir uns melden bzw. den Rettungsdienst rufen. Ansonsten traut sie uns das allein zu. Da ich am Morgen schon leichte Schmierblutungen bekommen habe, geht sie sogar davon aus, dass es in der Nacht schon losgehen könnte.

Was für ein Tag. Natürlich habe ich schon vom Verlieren eines Embryos oder sogar Babys gehört, aber das dann selbst zu durchleben ist auf jeden Fall noch einmal eine andere Nummer. Den ganzen Tag über habe ich gut funktioniert, aber am Abend will ich dann einfach nur mal für mich sein. Alleine. Mit meinen Zwillingen. So finde ich mich allein im Schlafzimmer wieder und sitze auf unserem Bett mit meinem Laptop, meiner Bibel, Schreibzeug und meinem Handy. Für ein paar Minuten sitze ich einfach da und habe absolut keine Ahnung, was ich tun soll.

Also lasse ich Musik sprechen und spiele die Playlist ab, die ich für die Geburt meiner Tochter vor ein paar Jahren zusammengestellt habe. Gleich das erste Lied berührt mich. Von jetzt auf gleich bin ich voll da. Voll in dem Moment. Voll im Gefühl, der Funktionsmodus ist abgestellt. Die Hände liegen auf meinem Bauch, und die ersten Tränen laufen. Ich lasse meine Emotionen den ganzen Raum einnehmen. Lasse endlich die Trauer zu, die mich seit dem Arztbesuch verfolgt, aber bisher noch keine Möglichkeit bekam, meine komplette Aufmerksamkeit zu erhalten.

Ich betrauere, dass ihr hier auf Erden nicht in unserer Familie leben werdet. Ich betrauere, dass ihr zwei seid, da wir uns doch viele Kinder wünschen. Ich betrauere, dass mein Körper euch nicht wachsen lassen konnte und ihr vielleicht Schmerzen hattet. Ich betrauere, dass ich nicht eure Mutter sein kann.

Und dann bekomme ich wie eine Eingebung: Ich BIN eure Mutter! Ich werde immer eure Mama sein, und wir werden uns wiedersehen. Da bin ich mir auf einmal so sicher, obwohl ich bis dahin nicht vollständig an die Ewigkeit geglaubt habe. Erst vor Kurzem habe ich mit Gott eine Art Beziehung, suche ihn und lese regelmäßig in der Bibel. Davor habe ich Gott so viele Jahre aus meinem Leben ausgeschlossen. Und mit diesem Wissen kann ich euch dann tatsächlich loslassen. Ich verabschiede mich von euch und spreche laut aus: „Ihr dürft gehen, ihr könnt meinen Körper verlassen. Ich weiß, dass eure Seelen bereits zu Hause sind und wir uns dort wieder sehen werden. Ich liebe euch."

Und ebenso wieder wie eine Eingebung: Gott ist mein Vater. Dem ich alles sagen und auch mein Leid klagen kann: „Warum, Gott? Warum tust du mir das an? Warum konntest du sie nicht retten, wenn du doch so allmächtig bist?"

Und dann werde ich richtig wütend: „Ich wusste, dass du mich testen würdest! Warum jetzt, wo ich dich doch gerade am Suchen bin und das Gefühl hatte, du sprichst mit mir und wir eine Beziehung aufbauen? Warum jetzt? Traust du mir nicht zu, dass ich mich um die Zwillinge und unsere Tochter hätte kümmern können? Hältst du so wenig von mir? Bin ich so wertlos in deinen Augen?"

Ich fühle mich vollkommen verlassen und verraten von Gott. Insbesondere nach all dem, was in den letzten Wochen passiert ist. Ich bin doch brav Woche für Woche zum Alphakurs in die FEG gegangen und habe mich ihm geöffnet. „Was zur Hölle willst du also von mir? Warum bestrafst du mich?"

Eingehüllt in meine Tränen und in mein Schluchzen kommt die alles entscheidende Frage:

„Gott, kann ich dir vertrauen?"

Und dann … geht es los. Es ist ein leises Ploppen zu hören, und meine Unterhose ist nass. Es ist die Fruchtblase, die geplatzt ist. Die kleine Geburt beginnt.

Ich verkrümle mich zunächst im Bad und schreibe meinem Mann, dass er die Kleine bitte ins Bett bringen soll. So sitze ich zunächst eine Zeit lang mit Sieb auf dem Klo, total unwissend, wie lange so eine kleine Geburt überhaupt dauert. Meine Freundin kommt kurze Zeit später, und so bin ich nicht allein, wenn mein Mann bei unserer Tochter ist.

Was dann passiert, konnte wirklich keiner ahnen. Diese Geburt dauert komplette neun Stunden! Neun! Mit Wehen, wenn auch klein, mit Schieben und sich intuitiv bewegen und unterschiedlichen Phasen. Eben eine richtige Geburt, nur in klein. Zwischenzeitlich habe ich es mir etwas gemütlicher gemacht, und ich sitze im Wohnzimmer auf dem Töpfchen meiner Tochter, umringt von den wasserdichten Betteinlagen, die wir am Nachmittag noch gekauft hatten. Mein Mann wie auch meine Freundin wechseln sich ab, mich zu begleiten. Wie die letzten Nächte zuvor wird unsere Tochter wieder wach, und mein Mann muss zu ihr. Irgendwie bekommen sie es aber hin, ohne dass sie diesmal aufstehen und spielen will.

Um 4:30 Uhr dann endlich: In dem Töpfchen landet nach einer längeren Kontraktion ein größerer Blutklumpen. Da seid ihr. Man erkennt bei euren ca. 1,3 cm Länge so wenig, und doch weiß ich, dass ihr es seid. Ein Mini-Fuß in zartem Weiß ist etwas deutlicher zu erkennen. Ich bin erleichtert und gleichzeitig wahnsinnig erschöpft. Während der ganzen letzten Stunden habe ich nur ein einziges Mal kurz geweint. Das war als ich vom Bad ins Wohnzimmer zur Couch gewechselt bin, weil ich mir vorgestellt habe, euch hier während der Hausgeburt zu gebären. Ein kurzer trauriger Moment, sonst bin ich die ganze Zeit über so bei mir, so in meiner Kraft, dass ich da schon das Gefühl hatte, von Gott getragen zu sein. Wie als Antwort auf meine Vertrauensfrage: „Ja, mein Kind. Du kannst mir vertrauen. Ich bin bei dir, immer bei dir gewesen, und ich liebe dich." Auch meine Freundin meinte ein paar Tage später, dass sie mich die ganze Zeit sehr in meiner Kraft wahrgenommen hat, intuitiv und in meinem Flow. Heute bin ich mir sicher, dass das nicht meine Kraft war, sondern von Gott. Von meinem Schöpfer.

Endlich gehen alle schlafen, und auch ich döse etwas auf der Couch. Es ist ruhig im Haus. Für ein paar wenige Stunden ist es ganz ruhig, fast friedlich. Meine Freundin schläft auf der Luftmatratze im Kinderzimmer, meine Mama hat nicht wie sonst den Fernseher laut laufen, und die Kleine schläft bei meinem Mann im Bett. Ich döse vor mich hin, kann dann aber um kurz vor acht einfach nicht mehr liegen bleiben.

Ich erreiche meine Hebamme telefonisch und schildere ihr kurz die Nacht. Sie ist nicht überrascht, und wie immer strahlt sie diese Ruhe und Sicherheit aus, die mich schon beim ersten Kennenlernen so positiv berührt haben. Wir verabreden uns für 13 Uhr. Pflichtbewusst, wie ich bin, sage ich die Aufklärungsgespräche bezüglich der Ausschabung für denselben Tag telefonisch ab. Man bedankt sich und wünscht mir alles Gute. Wir Menschen sind einfach Gewohnheitstiere und gewöhnen uns scheinbar auch an all die schlimmen Dinge problemlos.

Da die anderen immer noch schlafen, fange ich in aller Ruhe an, das Bad sauber zu machen. Alles Blutige bringe ich in einem Gefäß zusammen, sodass die Hebamme trotzdem noch alles sehen kann, und ich entferne alle Blutflecken. Ich mache die Badewanne und das Töpfchen sauber, die Toilette und werfe meine Geburtskleidung in den Wäschekorb. Irgendwie fühlt sich das als Teil des Prozesses an und mir ist natürlich auch wichtig, dass meine Tochter hier kein Blutbad vorfindet, wenn sie aufwacht. Körperlich geht es mir erstaunlich gut. Die letzte kleine Wehe hatte ich gegen 6 Uhr, seitdem blute ich periodenmäßig, aber ohne die Wehen und Krämpfe.

Die Zwillinge sind in einem extra Gefäß, und als die Hebamme kommt, bestätigt sie, dass es die beiden sind. Wir machen zusammen noch eine kleine Verabschiedung, machen ein paar Fotos von den zwei in meinen Händen wie auch im Glas, mal mit Kerzenschein, mal ohne, und sprechen bei einer Tasse Tee über alles, was uns gerade bewegt.

„Magst du den zwei einen Namen geben?", fragt mich meine Hebamme dann irgendwann. Ich muss kurz überlegen, und dann fällt mir ein, dass ich meiner Freundin vom ersten Ultraschall ein Foto geschickt habe über WhatsApp, und wir beide fanden, dass der Embryo wie eine Erdnuss aussieht.

Daraufhin hatte sie mir ein Emoji von einem Paar Erdnüsse geschickt mit den Worten: „Mh, komisch, hier gibt es gar keine einzelne Erdnuss." Und wir haben damals sogar gescherzt, ob es vielleicht zwei sind. Heute macht auch dieses kleine, fast unscheinbare Ereignis Sinn. „Sie sollen Pea und Nut heißen", sprudelt es nach dieser Erinnerung aus mir heraus, und alle müssen etwas grinsen. Endlich etwas Leichtigkeit bei all dieser Schwere. Leichtigkeit und Dankbarkeit, dass ich die beiden natürlich gebären konnte und so wahnsinnig tolle Menschen dabei um mich hatte.

Diese Nacht wie noch viele weitere Situationen haben mir deutlich die Handschrift Gottes gezeigt und meine Beziehung mit ihm hat eine neue Abzweigung genommen.

Ich berichte auch noch von der Zeit nach dieser kleinen Geburt – melde dich gerne zum Newsletter an, wenn du keine neuen Artikel verpassen möchtest.

Das Mutter-Tier

Das Mutter-Tier

Vom Mamasein | Von Viola

In den ersten Wochen nach einer Geburt lässt sich ein ganz besonderes Wesen beobachten: das Mutter-Tier. Frisch transformiert, stark übermüdet und dennoch hoch funktional, bewegt sie sich vorsichtig durch ihren neuen Lebensraum, stets in unmittelbarer Nähe ihres Babys. Ihr Blick ist dabei so wachsam wie bei einem Raubvogel.

Kaum betritt das Mutter-Tier einen Raum, beginnt sie mit der Analyse. Ihre Augen scannen jede Tischkante, jede Steckdose, jede Person, jede Bewegung – einfach jede potenzielle Gefahrenquelle. Zugluft wird in Sekundenbruchteilen erkannt. Ungewaschene Hände ebenfalls. Nichts entgeht ihr. Selbst wenn sie müde wirkt – dieser Eindruck täuscht. Das Mutter-Tier ist jederzeit bereit, ihr Baby zu beschützen.

Besonders bemerkenswert ist das Gehör des Mutter-Tiers. Während sie viele Alltagsgeräusche erfolgreich ausblenden kann, reagiert sie extrem sensibel auf einen ganz bestimmten Ton: das Schreien ihres Babys. Dieses kann sie selbst aus großer Entfernung eindeutig identifizieren. In freier Wildbahn – etwa im Supermarkt – kommt es jedoch gelegentlich zu Fehlalarmen. Das Mutter-Tier hält inne, horcht auf … und stellt fest: falsches Baby. Sie geht ihrer unterbrochenen Tätigkeit wieder nach. Dennoch bleibt sie stets wachsam.

Ein weiteres faszinierendes Phänomen ist die reagierende Milchquelle. Ein einzigartiges Merkmal des Mutter-Tiers ist ihre Fähigkeit, auf akustische Reize körperlich zu reagieren. Sobald das Baby Laute von sich gibt, wird im Körper des Mutter-Tiers ein komplexer Prozess ausgelöst. Die Nahrungsversorgung wird aktiviert – sofort und zuverlässig. Auch ohne direkten Kontakt kann es passieren, dass das Mutter-Tier im Brustbereich ausläuft.

Ein weiteres auffälliges Verhalten zeigt sich im Bereich des Geruchssinns. Das Mutter-Tier nimmt den Duft ihres Babys intensiv wahr und sucht diesen sogar aktiv. Sie verbringt teils längere Zeit damit, den Kopf oder Nacken des Babys einzuatmen. Ein Verhalten, das nicht nur der Bindung dient, sondern offensichtlich auch beruhigend wirkt – manchmal aber auch bis zur Ekstase führen kann. Für Außenstehende mag dies ungewöhnlich erscheinen. Für das Mutter-Tier ist es vollkommen normal.

Das Mutter-Tier zeigt seine Zuneigung auch auf körperliche Weise. Sie berührt, hält und küsst ihr Baby mit großer Hingabe, oft wiederholt und ausdauernd, und gibt es nur ungern aus den eigenen Händen. Ein instinktives Verhalten, das tief in ihrer Natur verankert ist.

Ein besonders spannender Moment lässt sich beim Ablegen des Babys beobachten: Ist es dem Mutter-Tier gelungen, ihr Baby erfolgreich in einen Schlafzustand zu begleiten und vorsichtig abzulegen, beginnt eine hochkonzentrierte Phase. Jede Bewegung wird verlangsamt. Die Atmung wird flach, setzt teilweise sogar für einige Sekunden aus. Der Blick bleibt fest auf das Baby gerichtet. Und dann, nahezu lautlos, zieht sich das Mutter-Tier zurück. Mit der Anmut und Vorsicht einer Gazelle bewegt sie sich aus dem Bett, durch das Zimmer, weicht gekonnt knarzenden Dielen aus und meidet jede potenzielle Geräuschquelle. Ein falscher Schritt könnte den gesamten Prozess zunichtemachen. Erst außerhalb der Gefahrenzone erlaubt sie sich, wieder normal zu atmen. Ein kurzer Moment des Triumphs.

Besonders interessant ist das Schlafverhalten des Mutter-Tiers. Nachts befindet sie sich in einem Zustand zwischen Schlaf und Wachsamkeit. Selbst kleinste Bewegungen des Babys führen zu einer sofortigen Reaktion. Tagsüber zeigt sich ein gegenteiliger Effekt: Das Mutter-Tier wirkt wach, befindet sich jedoch oft in einem Zustand tiefer Erschöpfung und ist nicht immer ganz zurechenbar.

Ihre körperliche Stärke ist dabei unerwartet und beeindruckend. Obwohl das Mutter-Tier in den Monaten vor der Geburt oft wenig körperliches Training absolviert hat, entwickelt sie nach der Ankunft ihres Babys bemerkenswerte Kräfte. Sie ist in der Lage, ihr Baby über lange Zeiträume zu tragen. Einarmig. Im Stehen. In Bewegung. Teilweise im Halbschlaf.

Fazit

Es handelt sich hier um ein atemberaubendes Wesen im Wandel. Das Mutter-Tier ist ein faszinierendes Beispiel für Anpassung, Intuition und Hingabe. Sie ist gleichzeitig müde und doch hochkonzentriert, wenn es um ihr Baby geht. Erschöpft und stark. Überfordert und vollkommen richtig in dem, was sie tut. In dieser frühen Phase entwickelt sie Fähigkeiten, die sie selbst kaum für möglich gehalten hätte. Und immer wieder wird deutlich: Sie wächst mit jeder neuen Herausforderung – einfach aus Liebe zu ihrem Baby.